Die Portugiesische Kultur

Gepostet von Der Portugiese am Sep 22, 2011 in Kultur | 7 Kommentare

Ein demütiges Volk kann auf großartige kulturelle Großtaten stolz sein. Mit dem orientalisch angehauchten manuelinischen Stil haben die Portugiesen eine prächtige Variante der Gotik ausgebildet, im Fado-Gesang eine selbständige Musikrichtung entwickelt und seit 1998 dürfen sie sich über ihren ersten Literaturnobelpreisträger entzücken.
Portugals erste von Menschen geschaffene Gegenstände – prähistorische Dolmen und Menhire – sind 5000 bis 6000 Jahre alt. Die beachtlichsten befinden sich im Alentejo in der Nähe von Evora. Viel später erbauten die Kelten Siedlungen aus in der Regel runden Steinhütten mit einer Bedeckung aus Stroh. Diese einfache Form der Architektur blieb jahrhundertelang bestehen, bis die Römer fortschrittliche neue Bautechniken und urbane Visionen ins Land einbrachten. Zu den ersten erhaltenen Häusern, die in diesen abgelegenen Außenposten des Römischen Gebiets wirklich als Architektur zu benennen sind, zählen die Tempel und Bäder von Evora, die Mosaike in Conimbriga und die eindrucksvollen Fundamente in Mirobriga.

Der manuelinischer Stil

Vom ausgehenden Mittelalter bis in die klassizistische Zeit reifte in Portugal eine schöpferische Eigenständigkeit in der Baukunst, an deren Entstehung zahlreiche ausländische Bauherren beteiligt waren. Mit dem Stolz der großen Seefahrernation und dank des Geldes einer einflussreichen Handelsmacht entsprang im ausgehenden 15. Jahrhundert die portugiesische Variante der Spätgotik, die dem Glücksgefühl der Portugiesen an ihren weltlichen Großtaten den architektonischen Ausdruck gab. Der Stil wird als Manuelinik bezeichnet, denn es war König Manuel I., der das Land während der glorreichen Entdeckungsfahrten von 1495-1521 regierte. Großzügig, üppig und zugleich verspielt wirken die Bauten in ihren fantasievollen Ausschmückungen, die die strengen Regeln der Gotik überwinden und eine Brücke zur Renaissance schlagen.

Portugiesische Musik

Portugiesische Musik trägt einen prominenten Namen: Fado. Um 1840 erstmals erwähnt, wurde der Gesang zunächst in schummrigen Kaschemmen des Lissabonner Hafenviertels vorgetragen und fand schon wenig später den Weg in aristokratische Salons, Revuetheater und die casas de fado. Mit häufig schwermütigen Melodien wurde der Fado zum musikalischen Ausdruck der portugiesischen Wehmut, der melancholischen Träumerei und wehmütigen Erinnerung an vergangene Zeiten. Unbestrittener Star ist die 1999 verstorbene Amalia Rodrigues.
Heute erfährt der Fado neue Beachtung. Wenn auch stimmlich oftmals brüchig, wird ein volkstümlicher Fado mit großer Leidenschaft geschmettert. Der Besuch eines Fadorestaurants während eines Lissabonurlaubs ist Pflicht. Die musikalische Entwicklung der letzten Jahre deutet an, dass Portugals gegenwärtige Musik weit über den puren Fado hinaus reicht. Bezaubernde Verschmelzungen unterschiedlicher Musiktraditionen gelingen vielen Künstlern aus den früheren portugiesischen Kolonien. Von Westernmelodien über Fado bis zu modernen südamerikanischen Klangfarben reicht das Repertoire.

Portugal hat viele Schriftsteller von Weltruf hervorgebracht und viele Schriftsteller von Weltbedeutung haben über Portugal geschrieben. Nachlesbare Beweise dafür, dass die aktuelle Literatur den düsteren Zeiten der Diktatur entflohen ist, liefern die beiden bedeutendsten Repräsentanten der portugiesischen Gegenwartsliteratur Antonio Lobo Antunes und Jose Saramago, der 1998 den Literaturnobelpreis erhielt. Ein eigener Stil entfaltete sich als formale Begleitung eines manchmal schwer lesbaren Spiels mit Fiktionen.

Foto: Ricardo Nunes – Fotolia

Ähnliche Beiträge:

Kommentar absenden